Bronzezeit im westlichen Hintertaunus (2018/05)

Schon vor Baubeginn der neuen Umgehungsstraße bei Marienfels und Miehlen im Rhein-Lahn-Kreis fanden im Trassenbereich zwei Jahre lang archäologische Untersuchungen statt.
Neben einem neu entdeckten römischen Holz-Erde-Kastell – schon das dritte am obergermanischen Limes bei Marienfels (AID 5/2017, 51) – wurden vorgeschichtliche Siedlungsspuren vor allem aus der frühen Jungsteinzeit (sog. Bandkeramische Kultur, Anfang 5. Jahrtausend v. Chr.) und der späten Bronzezeit (sog. Urnenfelderkultur, ca. 1200/1100 -750 v. Chr.) festgestellt. Auf intensive Siedlungstätigkeiten während der Urnenfelderzeit lassen Reste von Brandbestattungen und mehrere Siedlungsstellen schließen, die sich an verschiedenen Stellen verteilt über die knapp fünf Kilometer lange Erschließungstrasse befanden. Offenbar handelt es sich um die Überreste kleinerer Gehöfte, deren wirtschaftliche Grundlage Ackerbau und Viehhaltung waren.

Trotz bereits großer Verluste von mehr als einem Meter an alter Oberfläche aufgrund von Bodenerosion konnten noch zahlreiche Lehmentnahme-, Vorrats- und Abfallgruben der Siedlungsplätze gefunden werden. Eine der Siedlungen lag auf dem sanft abfallenden Plateau, auf dem später das Römerkastell entstand. Unmittelbar vor dem westlichen Eingang des Kastells befand sich eine annähernd runde Vorrats- bzw. Abfallgrube von etwa 2,50 m Durchmesser. Mit verschiedenen Einfüllschichten aufgefüllt, reichte sie noch 1,20 m tief. Unter den zahlreichen Funden befinden sich Keramikbruchstücke von Schrägrandgefäßen, spitzbodigen Bechern, Schalen mit Ritzlinien- und Kerbschnittzier, eines mondsichelförmigen sog. Feuerbocks sowie das Fragment einer Silexklinge. Das Fundmaterial ist charakteristisch für die späte Urnenfelderzeit (ca. 900-750 v. Chr.) in der Mittelrheinregion. Die zwischen Marienfels und Miehlen neu entdeckten Siedlungsstellen belegen somit, dass bereits während der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur die fruchtbaren Böden auch in den höheren Lagen der Mittelgebirge, in diesem Fall des westlichen Hintertaunus, ackerbaulich genutzt wurden.
Text: Cliff A. Jost, Katja Salewski, GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz

Abbildungen:

Abb. 1

Abb. 1

Marienfels. Profil durch eine urnenfelderzeitliche Siedlungsgrube mit verschiedenen Einfüllschichten. Foto: GDKE, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz/K. Salewski
Abb. 2

Abb. 2

Miehlen. Übersichtsaufnahme der Ausgrabungen mit rechteckigem Grabenwerk und Siedlungsspuren der Urnenfelderzeit. Foto: H.-J. du Roi

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